Was bedeutet Agilität? Agile Mindset vor Agile Tools. // Neue Haltung agile Unternehmensberatung e.K.

Das Wort agil kommt heute in jedem zweiten Satz zwischen Kunden und Beratern vor. Doch was bedeutet es und wie lässt sich Agilität im Projekt einsetzen?

Es lassen sich folgende Aspekte unter der Agilität zusammenfassen:

Geschwindigkeit, Anpassungsfähigkeit, Kundenzentriertheit und Haltung. Unter Geschwindigkeit und Anpassungsfähigkeit versteht man die Gabe von Organisationen und Teams, sich schnell an neue Gegebenheiten anpassen zu können. 
Bei der Kundenzentriertheit geht es darum, dass auch Kundenwünsche schnell und flexibel umgesetzt werden können. In der Regel erfolgt dies durch ein iteratives, lernendes Vorgehen. 
Haltung oder Mindset bringt die handelnde Person von sich aus mit. Augenhöhe, Selbstorganisation und ein wertschätzender Umgang untereinander seien hier genannt. 
Zusammenfassend kann man sagen, dass Agilität und somit auch agile Teams extrem anpassungsfähig sein müssen. Sie können im Idealfall schnell auf Veränderungen reagieren.  

Viele setzen Agilität mit Flexibilität gleich. Gegenstände die flexibel sind, kommen immer wieder in ihren Ursprungszustand zurück. Genau das Gegenteil passiert bei Agilität. 
Agilität bedeutet beweglich zu sein und im Ergebnis bringt Agilität Teams und somit die Organisation immer einen Schritt voran.

Zur Orientierung ist es wichtig zu verstehen, über welches AGIL Sie sprechen. Es gibt zwei verschiedenen Ebenen.

Erstens: Agilität ist zuallererst ein Mindset. Und an dieser Stelle möchte ich schon mal festhalten: Man kann NICHT nur ein bisschen agil sein.

Zweitens: Agilität ist eine Organisationsform, mithilfe dessen sich Unternehmen gut an Umwelt (Markt / Kunden) und Mitarbeiter(innen) der Organisation anpassen können. Als Grundlage der Agilität in Organisationen dient das agile Manifest.

Schauen wir uns die beiden Ebenen genauer an.


Agiles Mindset

Ein Mindset besteht aus der inneren Haltung, Grundeinstellung, Glaubenssätzen und den persönlichen Werten eines Menschen. Es bestimmt wie und welche Informationen wir aufnehmen, wie wir Informationen bewerten, welche Gefühle in uns ausgelöst werden und welche Handlungen wir aus Situationen ableiten.

Ein agiles Mindset ist eine Denk- und Handlungslogik, die die Voraussetzung von Agilität ist.

Im Gegensatz zu einem starren Mindset, nach Carol Dweck ein „fixes mindset“, dass die Haltung vertritt: Mindset ist eine Konstante – „Es ist, wie es ist.“, steht ein agiles Mindset für ein „growth mindset“, in dem man davon ausgeht, dass das Mindset sich ständig weiterentwickelt. Alles ist im ständigen Wandel und so muss auch die eigene Haltung und Denkweise ständig kritisch überprüft und reflektiert werden. 

Carol Dweck hat herausgefunden, dass Menschen mit einer wachstumsorientierten Denk- und Handlungslogik, einem Growth, also wachstumsorientierten Mindset ganz anders an Herausforderungen herangehen. Sie wollen sich entwickeln. Sie machen gerne Fehler. Sie sehen es als Chance, besser zu werden. Sie hoffen nicht darauf, etwas glücklicherweise zu wissen, sondern erarbeiten sich lernend diese Lösungen. Während Menschen mit einem Fixed Mindset tendenziell ängstlich gegenüber Veränderungen sind, und sich lieber an Vorschriften und Normen halten, stehen Menschen mit einem Growth Mindset Veränderungen offen gegenüber.

Agiles Arbeiten verlangt ein hohes Maß an Eigenverantwortung, Kritikfähigkeit und die Bereitschaft zur Selbstreflexion. Ich würde an dieser Stelle sagen, dass ein agiles mindset ein growth mindset ist.

Aus diesem Grund kommt das agile Mindset immer vor dem Prozess.

Sie werden nicht automatisch agil, weil Sie jetzt agile Tools wie z.B. SRUM, KANBAN oder ein Daily Standup einsetzen. Agilität geht nicht auf Knopfdruck. Ein agiles Mindset kann sich entwickeln und es ist ein dauerhafter Prozess! 


Wie wir denken, fühlen und handeln, ist geprägt von unserer Sozialisation und unseren gemachten Erfahrungen. Unsere Haltung, Erwartungen und Bewertungen lernen wir schon als Kinder. 
Wie oft haben Sie Ihre Haltung und die daraus resultierenden Reaktionen in letzter Zeit reflektiert? Mit Routinen und Standards stoßen Sie in der sich immer schneller verändernden Welt immer häufiger an Grenzen.


Schauen Sie sich die typischen Eigenschaften für eine agile Haltung an und reflektieren Sie gerne, wie weit Sie an dieser Stelle schon sind.
 

  • Positive Einstellung und Respekt. Glauben Sie an das halbvolle Glas. Vertrauen Sie Ihren Kollegen und Mitarbeitern und unterstützen Sie diese. Versuchen Sie, Vorbild zu sein, aber gestehen Sie auch Fehler ein. Behandeln Sie Ihre Kollegen so, wie Sie gern behandelt werden möchten. 
  • Anpassungsfähigkeit. Wie Sie bereits wissen, geht es bei dem Thema Agilität um Anpassen und Lernen, und die beste Variante, um neues Wissen zu erlernen, ist zuzuhören und Fragen zu stellen. Handeln Sie nicht nach dem Motto: "Das haben wir schon immer so gemacht.", sondern hinterfragen Sie genau diese Produkte und Prozesse. 
  • Teamwork und Teamerfolg. In der heutigen komplexen Welt ist kaum noch jemand in der Lage, alle notwendigen Informationen im Kopf zu halten, um eine Aufgabe zu erfüllen. Die Lösung lautet also Teamwork. Nicht der Erfolg des einzelnen steht im Fokus des agilen Mindsets, sondern der Erfolg des gesamten Teams. 
  • Pragmatismus. Fokussieren Sie sich auf die wirklich wichtigen Dinge. Der Hauptpunkt eines agilen Teams ist die Wertschöpfung für den Kunden. Hinterfragen Sie zum Beispiel, ob der fünfzigseitige Statusbericht wirklich nötig ist, wenn Ihr Kunde nur wissen will, ob das Projekt noch auf Kurs ist. 
  • Lernen und Scheitern. Lernen Sie aus Enttäuschungen und treffen Sie in einer ähnlichen Situation nicht die gleiche Entscheidung, die zum Scheitern führte. Probieren Sie neue Dinge aus und lernen Sie dazu. „So wie beim letzten Mal“ wird Sie nicht voranbringen. Es gibt immer Raum für Verbesserungen. Die agile Denkweise ist eine Haltung, die Misserfolge und Probleme mit Lernmöglichkeiten und wertvollem Feedback gleichsetzt. Nutzen Sie die Chance, aus Fehlern zu lernen. 

Dieses agile Mindset ist keine Voraussetzung, um Agilität in ihrer Organisation einzuführen. Aber nur wenn die Haltung zu der Methode passt, wird Ihr agiles Team wirklich erfolgreich sein.

Agilität für den Einzelnen bedeutet in Kurzform:
•    Selbstführung
•    Eigenverantwortung
•    Transparente, wertschätzende Kommunikation
•    Offenheit in der Interaktion
•    Reflexionsfähigkeit
•    Lernfähigkeit
•    Vertrauen


Agile Organisation

Agilität ist auch eine Organisationsform, mithilfe dessen sich Unternehmen gut an Umwelt (Markt / Kunden) und Mitarbeiter (innen) der Organisation anpassen können. Z.B. auf wechselnde Gegebenheiten und Änderungen bei Kunden, dynamische Märkte und Anforderungen von Mitarbeitern. Durch Agilität entwickeln Unternehmen die Kompetenz zur Reaktion auf den disruptiven Wandel. 

Leitsätze und Werte agiler Teams sind im agilen Manifest festgehalten.
2001 haben sich die Unterzeichner im Grundsatz dafür entschieden, bestehende Prozesse infrage zu stellen und bessere Methoden zu entwickeln. 
Da es eine Gruppe von IT-Spezialisten war, ging es in erster Linie um agile Softwareentwicklung. Die agilen Methoden finden heute in vielen Bereichen Anwendung. Die Vorgehensweise versucht, mit geringem bürokratischem Aufwand, wenigen Regeln und einem iterativen Vorgehen auszukommen. Iterativ bedeutet, in Zyklen und Wiederholungen zu arbeiten. 

Folgende 4 agile Werte und 12 agile Prinzipien sind im agilen Manifest verankert:

4 agile Werte 

(Die zuletzt genannten Werte sind wichtig, der zuerst genannte Werte werden aber höher eingeschätzt.) 

  1. Individuen und Interaktionen stehen über Prozessen und Werkzeugen
  2. Zusammenarbeit mit dem Kunden steht über der Vertragsverhandlung
  3. Funktionierende Software steht über einer umfassenden Dokumentation
  4. Reagieren auf Veränderungen steht über dem Befolgen eines Plans

 

12 agile Prinzipien

  1. Den Kunden durch wertvolle Ergebnisse zufriedenstellen
  2. Veränderungen sind willkommen, als Wettbewerbsvorteil nutzen
  3. Regelmäßig in kurzen Zeitspannen Ergebnisse liefern 
  4. Enge Zusammenarbeit von Fachexperten und Entwicklern
  5. Auf motivierte Individuen setzen und ihnen ein entsprechendes Umfeld bieten (Servant Leadership)
  6. Kommunikation „face to face“ ist zu bevorzugen
  7. Funktionierende Ergebnisse sind das wichtigste Fortschrittsmaß
  8. Gleichmäßiges Arbeitstempo von AuftraggeberInnen
  9. Technische Exzellenz und gutes Design
  10. Fokus auf einfache Lösungen 
  11. Selbstorganisation der Teams in Planung und Umsetzung
  12. Regelmäßige Reflexion im Team, um noch effektiver zu werden (PDCA Zyklus)

 

Es geht also nicht darum, dass der Einzelne eine Aufgabe abarbeitet und nach getaner Arbeit fertig ist. Alle Beteiligten sind angehalten, in Teilaufgaben das Gesamtwerk interdisziplinär zu erschaffen und sich über die Zwischenstände auszutauschen. 

Agilität beginnt also mit der Zusammenarbeit in selbst-reflektierenden Teams mit regelmäßiger und direkter Kommunikation, der Freiheit, Fehler zu machen und mit flachen Hierarchien.


Agilität für die Organisation bedeutet in Kurzform:
•    Agiles Zielbild – Es gibt keinen detaillierten Plan, aber eine Vision.  "Wo soll es hingehen?"
•    Empowerment von Teams und Veränderung der Führungsrolle. Zur agilen Welt gehören Rollenkonzepte und Bildung von cross-funktionalen Teams, die kollaborativ zusammenarbeiten. Die Übertragung von Eigenverantwortung an Teams lässt den Prozess effektiver und schneller werden. Dafür muss Vertrauen und Raum gegeben werden, denn das Gemeinschaftsinteresse steht im Vordergrund.
•    Iterative Prozesslandschaften (schrittweise vorgehen) Projekte werden anhand des Zielbildes mit kleinen Einheiten und in kleinen Schritten abgearbeitet. Langfristige Prognosen werden vermieden.
•    Offene, unmittelbare Kommunikation und Feedback. Es wird davon ausgegangen, dass die Skills für wertschätzende Kommunikation vorhanden oder geschult sind.
•    Schnelle Entscheidungen, da die Verantwortung der Lösung im Team liegt.
•    Ständige Lernprozesse und eine gelebte Fehlerkultur. Das heißt, dass Fehler willkommen sind, da aus ihnen gelernt werden kann und somit alle davon profitieren und sich weiter entwickeln können. Agile Methoden lösen keine Probleme, sie machen sie transparent.
•    Kundenorientierte Organisationsstruktur. Es wird vornehmlich am Außenfokus gearbeitet, denn schnelle Reaktionsfähigkeit und Kreativität sind bei der Befriedigung der Kundenbedürfnisse zunehmend die erfolgsentscheidenden Faktoren.


Sie sehen, es geht nicht um ein paar neue Methoden. Nein, hier geht es um Ihren Paradigmenwechsel und manchmal um das Erkunden und Betreten von Neuland. Das erfordert eine NEUE HALTUNG gegenüber Menschen und deren Interaktion.

Sie haben noch Fragen, oder wollen diesen Punkt für sich schärfen?
Schreiben Sie mir, ich unterstütze Sie gerne in diesem Prozess.

Ihre Nicol Huckfeldt